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Grauer Star (Katarakt): Ursachen, Symptome, OP

Beim grauen Star (Katarakt) handelt es sich um eine Erkrankung der Augenlinse, bei der es zu einer zunehmenden Eintrübung kommt. Der Begriff wird dabei als Sammelbegriff für jede Form der Linsentrübung verwendet, unabhängig davon, wie sie entstanden ist. Typisch für die Katarakt ist eine Grauverfärbung der normalerweise schwarz erscheinenden Pupille, was namensgebend für die Erkrankung war.

Mehr zum grauen Star erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Übersicht

Eine Erkrankung des Alters

Der graue Star (Katarakt) ist eine Erkrankung der Augenlinse, bei der sie durch eine Zunahme von Fasermaterial und Wasser im Inneren der Linse nach und nach eintrübt. In den meisten Fällen tritt der graue Star aus bisher noch ungeklärten Ursachen im höheren Lebensalter auf. Während zwischen 65 und 75 Jahren etwa 15% der Männer und 25% der Frauen betroffen sind, steigt die Zahl nach dem 75. Lebensjahr bei Männern auf 40% und bei Frauen auf etwa 45% an. Aber auch Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise ein Diabetes mellitus oder Verletzungen des Auges können einen grauen Star zur Folge haben.

Alles wird unscharf und farblos

Durch die allmähliche Verdichtung trübt die Augenlinse nicht nur ein, sondern verliert auch ihre Elastizität. Dadurch kann in das Auge einfallendes Licht nicht mehr ungehindert bis zur Netzhaut vordringen und wird zudem anders als vorher gebrochen.

Das Resultat ist ein unscharfes, farblos wirkendes Bild mit verwaschenen Konturen und einer Kontrastminderung. Oftmals kommt es weiterhin zu einem verstärkten Blendungsempfinden, das besonders beim Autofahren in der Nacht als sehr störend wahrgenommen wird.

Diagnose einfach zu stellen

Um die Diagnose Katarakt zu stellen, genügen in der Regel eine Reihe an Untersuchungen, die bei jedem Augenarztbesuch problemlos durchgeführt werden können.

Vor jeder Untersuchung steht das Anamnesegespräch, in dem der behandelnde Arzt nach vorherrschenden Beschwerden fragt. Anschließend werden bei bestehendem Verdacht auf einen grauen Star ein Test zur Einschätzung des Sehvermögens sowie eine Spaltlampenuntersuchung durchgeführt. Damit ist eine Beurteilung der Linse möglich. Weitere Untersuchungen können sich anschließen, wenn Risikofaktoren für andere Erkrankungen bestehen.

Katarakt-OP: ein Standardeingriff

Ist die Diagnose grauer Star gesichert, kann im beginnenden Stadium versucht werden, Fehlsichtigkeiten mit einer Brille oder Kontaktlinsen zu kompensieren. Schreitet die Linsentrübung weiter voran, stellt die einzig effektive Behandlungsmöglichkeit eine Operation dar. Eine medikamentöse Katarakt-Therapie gibt es nicht.

Die Operation des grauen Stars ist eine der am häufigsten durchgeführten Eingriffe in Deutschland überhaupt. Sie geht mit vergleichsweise wenigen Risiken und Komplikationen einher und führt in über 95% zu einer deutlichen Verbesserung des Sehvermögens. Im Rahmen der Operation wird die eingetrübte Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Der Eingriff kann ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden.

In den Industrienationen unterzieht sich heute etwa jeder Dritte bis Vierte einer Kataraktoperation, was etwa 7 Operationen auf 1000 Einwohner macht. Alleine in Deutschland finden jährlich um die 800.000 Staroperationen statt. In Entwicklungsländern hingegen, wo operative Therapiemethoden zur Behandlung des grauen Stars noch nicht etabliert sind, ist die Katarakt nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Erblindung.

Entstehung

Die Augenlinse ist ein essentieller Bestandteil des optischen Systems. Sie ist von bikonvexer Gestalt und liegt im vorderen Drittel des Auges, hinter Horn- und Regenbogenhaut und vor Glaskörper und Netzhaut. Insbesondere Hornhaut und Linse brechen das ins Auge einfallende Licht und bündeln die einzelnen Lichtstrahlen an einem Punkt auf der Netzhaut, dem sogenannten Punkt des schärfsten Sehens (Fovea). Dort entsteht dann ein scharfes Bild, das über den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet wird.

Der Scharfsteller

Die Linse hat dabei eine ganz besondere Funktion. Durch die Veränderung ihrer Form (eher abgeflacht oder eher kugelförmig) kann der Blick in die Nähe sowie in die Ferne scharfgestellt werden.

Dazu ist die Linse über feine Fasern und Bänder mittig an einem ringförmigen Muskel befestigt. Entspannt sich der Muskel, kommt Zug auf die sogenannten Zonulafasern, die Muskel und Linse verbinden, und die Linse wird flacher. Kommt es hingegen zur Muskelkontraktion, verringert sich der Innendurchmesser des Ringmuskels, die Zonulafasern entspannen sich, und die Linse nimmt eine eher kugelige Gestalt an.

Beim grauen Star verliert die Linse an Elastizität und wird starrer. Fehlsichtigkeit in die Ferne wie in die Nähe sind die Folge.

Formen

Der graue Star kann an unterschiedlichen Bereichen der Augenlinse entstehen. Je nach dem, wo er sich manifestiert, werden drei Formen unterschieden:

  • Rindenstar: betrifft den äußeren Rand der Augenlinse
  • Kernstar: betrifft das Zentrum der Augenlinse
  • hintere Schalentrübung: betrifft den hinteren äußeren Bereich der Augenlinse
  • Mischformen

In manchen Fällen kann aus dem Ort der Trübung auf eine mögliche Ursache für die Entstehung des grauen Stars geschlossen werden. So beginnt der Altersstar häufig mit einer Trübung der Rinde, während eine längerfristige Kortisoneinnahme eher zu einer hinteren Schalentrübung führt.

Stadien

Neben den verschiedenen Formen des grauen Stars existiert eine Stadieneinteilung, mit der sich der Grad der Linsentrübung weiter abschätzen lässt.

  • Stadium 1 – Cataracta incipiens : Bei der beginnenden Linsentrübung besteht nur eine leichte Veränderung der Augenlinse, das Sehvermögen ist nicht oder nur leicht eingeschränkt. Eine Operation ist in diesem Stadium noch nicht notwendig. Es kann zunächst zugewartet werden.
  • Stadium 2 – Cataracta provecta: Die Linse ist fortgeschritten eingetrübt, die Sehschärfe reduziert. Da die Symptome des grauen Stars in diesem Stadium zu Einschränkungen im alltäglichen Leben führen, wird bereits im Stadium 2 in der Regel zu einer Kataraktoperation geraten.
  • Stadium 3 – Cataracta matura: Das dritte Stadium des grauen Star wird auch als reifer grauer Star oder Totalstar bezeichnet. Die Linse ist in diesem Stadium komplett eingetrübt und erscheint bereits durch die Pupille grau. Da das Sehvermögen nun stark eingeschränkt ist, besteht immer eine klare Operationsindikation.
  • Stadium 4 – Cataracta intumescens: Beim überreifen grauen Star kommt es zusätzlich zur vollständigen Eintrübung zu einer deutlichen Flüssigkeitseinlagerung mit zunehmendem Aufquellen der Linse. Da das Stadium 4 des grauen Stars einen starken Risikofaktor für die Entstehung eines grünen Stars (Glaukom) darstellt, muss umgehend operiert werden. Nicht zuletzt auch, um das Augenlicht zu erhalten.

Bei einem weit fortgeschrittenen grauen Star mutet die sonst schwarz erscheinende Pupille grau getrübt an. Bei einem Totalstar, also einem Star, der die ganze Linse erfasst, kommt es zur Erblindung. Die Pupille erscheint leer und deutlich grau eingetrübt.

Ursachen

Der graue Star kann sehr viele verschiedene Ursachen haben. In der Mehrzahl der Fälle entsteht er im Rahmen des normalen Alterungsprozesses, der zu einer Vermehrung der Linsensubstanz sowie zu einem Wasser- und Elastizitätsverlust der Linse führt, sodass sie ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen kann.

Rauchen und andere Risikofaktoren

Ein gesicherter Risikofaktor für die Entstehung einer Katarakt im Alter ist das Rauchen. Bereits bei 10 bis 15 Zigaretten täglich erhöht sich das Risiko, an einem grauen Star zu erkranken, um etwa 40% gegenüber einem Nichtraucher.

Weiterhin kann ein grauer Star auf andere, erworbene Ursachen zurückgehen. Diese treten mit insgesamt etwa 10% weitaus seltener auf als der natürliche Prozess im Alter, sollten aber nicht außer Acht gelassen werden.

Am häufigsten sind dabei folgende Ursachen:

  • Allgemeinerkrankungen: Diabetes mellitus, dialysepflichtige Niereninsuffizienz, Morbus Wilson, Galaktosämie, Trisomie 21
  • vorangegangene Augenerkrankungen: chronische Entzündungen im Auge (Uveitis), grüner Star (vor allem akutes Winkelblockglaukom), Netzhautablösung, Erkrankungen des Glaskörpers oder der Netzhaut
  • Medikamente: lokale oder systemische Kortisonpräparate, Medikamente zur Weitstellung der Pupille (Miotika wie Cholesterinesterasehemmer)
  • vorangegangene Traumata: Prell- oder Perforationsverletzungen
  • physikalisch bedingt: Röntgen- oder radioaktive Strahlung, Starkstromunfälle, Blitzschlaf, Infrarotstrahlung (sogenannter Feuerstar, insbesondere bei Hochofenarbeitern und Glasbläsern)
  • vorangegangene Linsenoperation: Nach einer Katarakt-OP können die verbleibenden Linsenanteile eintrüben (Nachstar).

Selten: angeborene Katarakt

Nicht immer tritt ein grauer Star erst im Laufe des Lebens durch endogene oder exogene Ursachen auf. Bei der kongenitalen Katarakt, die weniger als 1% aller Katarakte ausmacht, kommt es bereits im Mutterleib zur Ausbildung der Augenkrankheit.

Die kongenitale Katarakt kann durch genetische Faktoren bedingt oder Folge einer Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft sein. So können Röteln, die sich vorgeburtlich von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen, zu einer Katarakt führen.

Symptome

Ein schleichender Prozess

Die Beschwerden, die bei einem grauen Star auftreten können, sind von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Vor allem Form und Schweregrad der Katarakt sind bestimmend für die Symptomausprägung. Auftretende Sehbeeinträchtigungen entstehen dabei schleichend über Monate oder gar Jahre hinweg.

Typisch für die Katarakt sind unter anderem:

  • Doppelsehen
  • Schleiersehen
  • erschwertes Sehen in der Dunkelheit oder bei Eintritt der Dämmerung
  • verminderte Kontrastwahrnehmung
  • verminderte Farbwahrnehmung
  • gesteigerte Blendungsempfindlichkeit
  • Verschlechterung des räumlichen Sehens
  • verringerte Hell-Dunkel-Anpassung beim Wechsel von lichten an dunklere Orte

Nicht immer treten alle Beschwerden gleichermaßen auf. Welche Symptome wann im Vordergrund stehen, hängt zum einen vom Stadium der Erkrankung ab; zum anderen gibt es Unterschiede im Sehen abhängig davon, um welche Starform es sich handelt.

Starke Blendung beim Rindenstar

Der klassische Altersstar beginnt in den meisten Fällen an der Rinde der Augenlinse und breitet sich von dort nach und nach über die gesamte Linse aus. Symptomatisch wird er dabei erst, wenn zentrale Bereiche der Linse durch den Star erfasst wurden.

Der Rindenstar fällt zunächst meist durch eine verstärkte Blendungsempfindlichkeit bei abnehmender Farbintensität auf. Besonders abendliches Autofahren oder die Zeit der Dämmerung können unangenehm sein, da entgegenkommende Autos sehr stark blenden, die Umgebung aber deutlich kontrastärmer und damit wesentlich schlechter wahrgenommen werden kann.

Kurzsichtigkeit beim Kernstar

Beim Kernstar, der sich hauptsächlich oder ausschließlich im Zentrum der Linse manifestiert, ist vor allem das Sehen in die Ferne beeinträchtigt. Besonders typisch für einen Kernstar ist der Wechsel von Weit- zu Kurzsichtigkeit. Aber auch das Auftreten von Doppel- oder gar Mehrfachbildern ist ein typisches Zeichen für einen beginnenden Kernstar.

Weitsichtigkeit bei der hinteren Schalentrübung

Bei der hinteren Schalentrübung, auch subkapsuläre Rindentrübung genannt, kommt es vor allem zu einer Einschränkung des Sehens in die Nähe sowie einer gesteigerten Blendungsempfindlichkeit. Die hintere Schalentrübung tritt vor allem im Alter, aber auch assoziiert mit einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus auf.

Diagnose

Ihr behandelnder Augenarzt kann durch die Zusammenschau einer gezielten Befragung (Anamnese) sowie verschiedener augenärztlicher Untersuchungsbefunde die Diagnose grauer Star in der Regel sicher stellen. Wichtigster Bestandteil der augenärztlichen Untersuchungsmethoden ist dabei die Spaltlampenuntersuchung, gefolgt von weiteren Tests, die beispielsweise die Sehschärfe messen.

1. Anamnese

Die Anamnese zielt darauf auf, Ihre Symptome genau zu erfassen. Erfragt wird in einem ärztlichen Gespräch nicht nur, welche Beschwerden Sie haben, sondern auch, wie lange sie schon bestehen und in welchen Situationen sie besonders auftreten bzw. ob es Situationen gibt, in denen Sie eine Besserung der Beschwerden verspüren.

Weiterhin interessiert es Ihren behandelnden Augenarzt, ob Sie unter Vorerkrankungen wie beispielsweise einem Diabetes mellitus, einem Bluthochdruck oder einer Herzerkrankung leiden und wie gut diese medikamentös eingestellt sind.

2. Spaltlampenuntersuchung

Anschließend an das Anamnesegespräch findet die Spaltlampenuntersuchung statt. Sie stellt den Goldstandard zur Untersuchung und Beurteilung der Augenlinse dar, da sie eine bis zu vierzigfache Vergrößerung des vorderen Augenabschnitts ermöglicht.

Harmlose Untersuchung

Bei der Untersuchung sitzen Sie auf einem höhenverstellbaren Hocker dem Arzt gegenüber und stützen Kinn und Stirn an dafür vorgesehenen Vorrichtungen des Gerätes ab. Während der Untersuchung müssen Sie den Kopf still halten, der behandelnde Arzt kann die Spaltlampe dann genau in Position bringen und mit der Untersuchung beginnen.

Mit der Spaltlampe werden besonders die vorderen Abschnitte des Auges auf Auffälligkeiten hin untersucht und beurteilt. Dazu gehören:

  • Bindehaut (Konjunktiva)
  • Hornhaut (Kornea)
  • Regenborgenhaut (Iris)
  • Linse (Lens)

Die Hornhaut unter der Lupe

Die Hornhaut ist der erste Abschnitt des optischen Systems, der angesehen und beurteilt wird. Als konvex gekrümmte, transparente Schicht hat die Hornhaut die Funktion, das ins Auge einfallende Licht als erstes zu brechen.

Störungen des Sehens können ihre Ursache bereits in einer Veränderung der Hornhaut haben, beispielsweise bei Unregelmäßigkeiten der Hornhautoberfläche (Astigmatismus) oder einer von der Norm abweichenden Krümmung in horizontale und/oder vertikale Richtung.

Typische Veränderungen der Linse

Bei der Beurteilung der Linse selbst kann ihr behandelnder Arzt anhand von verschiedenen Trübungsmustern ablesen, wie weit der graue Star bereits fortgeschritten ist und um welche Form des Stars es sich handelt:

  • Der Rindenstar zeigt sich klassischerweise durch sehr feine, streifig anmutende Trübungen, die sich speichen- bzw. keilförmig von der Rinde bis ins Zentrum der Linse erstrecken. Dazwischen können spaltenförmige Wassereinlagerungen vorkommen.
  • Beim Kernstar hingegen ist das Muster weniger spezifisch. Die Linse ist jedoch vor allem in ihrem Inneren getrübt, während die Rinde transparent bleibt.
  • Bei der hinteren Schalentrübung kommt es, wie der Name bereits andeutet, zu einer schalenartigen Verdichtung unterhalb der hinteren Linsenkapsel.

Untersuchung des hinteren Augenabschnitts

Neben Linse und Hornhaut kann mit der Spaltlampe auch der hintere Augenabschnitt untersucht werden. Hierbei wird insbesondere auf folgende Bereiche des Auges geachtet:

  • Glaskörper (Corpus vitreum)
  • Augenhintergrund mit Netzhaut (Retina), Sehnerv, Blutgefäßen und dem Fleck des schärfsten Sehens (Fovea optica)

Um den hinteren Augenabschnitt zu beurteilen, müssen die Pupillen in Vorbereitung medikamentös weit gestellt werden. Dies kann zu einem erhöhtem Blendungsempfinden sowie einer reduzierten Sehschärfe führen, weshalb Sie nach der Untersuchung für einige Stunden nicht fahrtüchtig sein werden.

Die Beurteilung des hinteren Augenabschnitts gehört nicht regelhaft zu einer Untersuchung der Augen auf eine Katarakt und wird nur durchgeführt, wenn Risikofaktoren oder Vorerkrankungen bestehen, die sich zusätzlich auf Glaskörper oder Netzhaut auswirken könnten.

3. Weitere Untersuchungsmethoden

Weitere Untersuchungen, die je nach Form und Stadium des grauen Stars im Anschluss an eine Spaltlampenuntersuchung durchgeführt werden können, sind unter anderem:

  • Ultraschalluntersuchung der Netzhaut
  • Messung der Sehschärfe
  • Optische Kohärenztomografie

Beurteilung der Netzhaut mittels Ultraschall

Bei einer sehr stark fortgeschrittenen Linsentrübung kann es sein, dass eine Untersuchung des hinteren Augenabschnitts und insbesondere der Netzhaut mittels Spaltlampe nicht mehr möglich ist. In diesem Fall wird Ihr behandelnder Arzt auf die Ultraschalluntersuchung zurückgreifen, um Veränderungen an der Netzhaut wie beispielsweise eine beginnende Netzhautablösung oder auch Netzhauttumore erkennen zu können. Eine Einschätzung des Netzhautzustandes ist vor allem im Hinblick auf eine Kataraktoperation wichtig.

Die Netzhaut im Blick: das Retinometer

Um die Sehschärfe zu messen bzw. um festzustellen, welche Sehkraft nach einer Kataraktoperation zu erwarten wäre, kann der Arzt eine Untersuchung mithilfe eines Retinometers durchführen. Das Retinometer bestimmt, unabhängig von den Veränderungen an der Linse, das Auflösungsvermögen der Netzhaut und liefert eine Einschätzung über die zu erwartende Sehschärfe nach einer Kataraktoperation.

Die aktuelle Sehschärfe kann anhand von Sehtafeln bestimmt werden. Bei einer Katarakt besteht besonders zu Beginn vor allem eine Kurzsichtigkeit.

OCT nur in bestimmten Fällen

In bestimmten Fällen kommt weiterhin die optische Kohärenztomographie (OCT) zum Einsatz. Sie liefert Hinweise über den Zustand der Netzhaut bei Vorerkrankungen wie beispielsweise einer altersbedingten Makuladegeneration oder einer diabetischen Retinopathie.

Die OCT ist ein sehr spezielles Verfahren, das in der Regel nur bei bestimmten Vorerkrankungen in Vorbereitung auf eine Staroperation durchgeführt wird und nicht regelhaft zu jeder Katarakt-Untersuchung dazugehört.

Behandlung

Zur Behandlung des grauen Stars wird in Deutschland heutzutage flächendeckend die Kataraktoperation eingesetzt. Während eines kurzen ambulanten Aufenthaltes wird dabei, kurz gesagt, die eingetrübte Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Die Kunstlinse, auch Intraokularlinse (IOL), ist meist aus Silikon oder Acryl und ersetzt nach dem Eingriff vollständig die Funktion der Augenlinse.

1. Operationszeitpunkt: Sie entscheiden

Wenn Sie ausschließlich unter einem grauen Star leiden und keine weiteren Grunderkrankungen bestehen, entscheiden schlussendlich Sie selbst, wann der ideale Zeitpunkt für eine Operation gekommen ist. Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation ist nicht nur der Grad der Linsentrübung, sondern auch, in wieweit Sie durch den grauen Star in Ihrem Alltag beeinflusst werden.

Da der Eingriff in aller Regel ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird, sollten Sie sich für die Zeit nach der Operation jemanden organisieren, der Sie nach Hause bringen kann. Weiterhin muss eine engmaschige augenärztliche Nachsorge in der folgenden Zeit nach der Operation sichergestellt sein. Kümmern Sie sich auch hier am besten schon im Vorfeld um Unterstützung für Arzttermine etc.

2. Operationsverfahren

Die Entscheidung, ob und wann eine Staroperation erfolgen soll, ist ein sehr individueller Prozess. Während ein leichter Star noch keinen Anlass für eine Operation bietet, sind hohes Lebensalter oder Vorerkrankungen in der Eigenanamnese kein Ausschlusskriterium für eine Operation.

Keine große Sache

Die Staroperation ist ein in Deutschland sehr häufig durchgeführter Eingriff, der vergleichsweise wenige Risiken birgt und in über 90% aller Fälle zu einer Besserung der Sehleistung führt.

Betrifft der graue Star beide Augen, wird in der Regel zuerst dasjenige operiert, an dem der Star schon weiter fortgeschritten ist. Das zweite Auge wird dann im Verlauf, etwa vier bis acht Wochen nach der ersten Operation, ebenfalls operiert.

Im Einzelnen läuft eine Operation folgendermaßen ab:

Zunächst werden Ihnen lokal betäubende Augentropfen in das zu operierende Auge getropft. In manchen Fällen wird das Lokalanästhetikum mit einer sehr feinen Nadel auch eingespritzt.

Durch einen kleinen Schnitt in der Hornhaut, dem sogenannten Tunnelschnitt, erfolgt über die vordere Linsenkapsel der Zugang zum Inneren der Augenlinse. Der Schnitt ist etwa 2-3 mm klein und muss im Anschluss an die durchgeführte Operation aufgrund der hohen Regenerationsfähigkeit der Hornhaut nicht vernäht werden.

Alte Linse raus, neue Linse rein

Mit einer über den Tunnelschnitt eingeführten Ultraschallsonde werden anschließend Kern und Rinde der Linse durch eine bestimmte Ultraschallfrequenz verflüssigt (Phakoemulsifikation) und anschließend über die Sonde abgesaugt. Seitliche und hintere Linsenkapsel bleiben intakt und werden im Auge belassen.

Eine klein eingerollte Kunstlinse wird danach über den Tunnelschnitt in die nunmehr leere Kapsel eingeschoben, dort entfaltet und mit kleinen Bügeln in der Mitte verankert. Sie nimmt nun den Platz der alten Augenlinse ein und ersetzt deren Funktion vollständig.

3. Nach der Operation

In den allermeisten Fällen wird die Operation ambulant durchgeführt, was bedeutet, dass Sie unmittelbar nach dem Eingriff nach Hause dürfen.

Wichtig: regelmäßig Augentropfen

Das frisch operierte Auge wird für die ersten 24 Stunden mit einem Salbenverband abgedeckt, der nach der vorgegebenen Zeit eigenhändig abgenommen werden kann. In der ersten drei bis vier Wochen nach der Operation müssen im Anschluss ein- bis mehrmals täglich antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen in das Auge gegeben werden. Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen erklären, wie die Augentropfen anzuwenden sind und was Sie dabei beachten müssen.

Regelmäßige Arztbesuche sind nach einer Kataraktoperation an der Tagesordnung. Zu Beginn werden Sie Ihren Augenarzt in sehr kurzen Abständen aufsuchen müssen, nach und nach immer seltener. Die Behandlung ist in der Regel nach vier Wochen vollständig abgeschlossen.

Eine andere Sicht

Eine Veränderung des Sehens werden Sie schon nach Abnahme des Salbenverbandes spüren. Oft werden Farben klarer gesehen, und die Sicht ist im Allgemeinen schärfer. Zu Beginn kann es aber auch zu einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit kommen, die als sehr unangenehm wahrgenommen wird.

Geben Sie sich Zeit, sich auf die veränderte Optik einzustellen. Nach vier bis sechs Wochen werden Sie mit sehr hoher Sicherheit bereits von der Operation profitieren.

Komplikationen

Die Operation des grauen Stars ist der am häufigsten durchgeführte Eingriff und einer der sichersten Operationen überhaupt. Dennoch kann es zu Komplikationen kommen, über deren Häufigkeit und Schwere Sie vor der Operation aufgeklärt werden müssen.

Blutungen und Infektionen sind selten

Wie bei jeder Operation kann es zu Blutungen oder Infektionen kommen. Da die Hornhaut selbst jedoch nicht durchblutet ist, fallen Blutungen in aller Regel sehr milde aus. Auch Infektionen spielen sich in den allermeisten Fällen lokal ab und können durch Medikamente gut abgefangen bzw. behandelt werden. Nur in etwa 0,05% aller Operationen verlaufen Blutungen oder Infektionen so schwer, dass es zum Verlust des Augenlichts kommt.

Eine Verletzung der Netzhaut bzw. eine Netzhautablösung tritt während bzw. nach etwa 1-3% aller Operationen auf. Netzhautablösungen sind sehr schmerzhaft, können aber, werden sie rechtzeitig erkannt, gut behandelt werden.

Erneute Eintrübung

Die wohl häufigste Komplikation, die nach einer Staroperation auftreten kann, ist der sogenannte Nachstar. Dieser betrifft etwa 30% aller Operierten und führt im Anschluss an eine Operation zu einer Eintrübung der hinteren Augenkapsel. Sie verläuft, wie der graue Star selbst auch, schleichend, sodass es nach vielen Monaten bis Jahren wieder zu einer Sehverschlechterung kommen kann. Der Nachstar ist relativ einfach durch Laser zu behandeln.

Verlauf und Prognose

Gute Aussichten nach der OP

Unbehandelt schreitet der graue Star über Jahre immer weiter fort und endet im schlimmsten Falle mit der vollständigen Erblindung.

Durch eine Kataraktoperation hingegen bestehen sehr gute Chancen, die volle Sehschärfe wieder zu erlangen, sofern Sie unter keiner weiteren Augenerkrankung leiden. Bei zusätzlich bestehenden Erkrankungen, die das Auge betreffen können, wie beispielsweise einem Diabetes mellitus, kommt es auf den Einzelfall an. Eine Verbesserung des Sehens wird aber auch hier durch eine Operation in der Regel erreicht.

Wie Sie Ihre Augen schützen können

Vielfach wird die Frage gestellt, was Sie selbst tun können, um keine Katarakt zu bekommen. Da der graue Star eine Erscheinung des Alters ist, lässt sich aber nur wenig unternehmen, um seiner Entstehung vorzubeugen.

Allerdings haben besonders zwei Faktoren Einfluss auf den Beginn bzw. das Fortschreiten der Linsentrübung. Zum einen ist es die direkte UV-Einstrahlung durch Sonne oder Solariumsbesuche. Schützen Sie Ihre Augen daher immer durch eine Sonnenbrille, sobald Sie UV-Licht ausgesetzt sind.

Zum anderen kann Rauchen an der Entstehung einer Katarakt mitbeteiligt sein. Bereits bei 10 bis 15 Zigaretten am Tag, erhöht sich das Risiko um bis zu 40% gegenüber Nichtrauchern, an einem grauen Star zu erkranken. Geben Sie das Rauchen also frühzeitig auf. Ober besser noch: Fangen Sie gar nicht erst damit an.

Autorin: 

Quellen:

  • G.K. Lang: Augenheilkunde, Thieme Verlag, 2014.
  • G. Hahn: Kurzlehrbuch Augenheilkunde, Thieme Verlag, 2012.
  • Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinie Nr. 19 | Katarakt (Grauer Star) im Erwachsenenalter, http://www.augeninfo.de/leit/leit19.pdf, zuletzt aufgerufen am 01.02.2018.
  • E. Lindblad et al.: Smoking Cessation and the Risk of Cataract. A Prospective Cohort Study of Cataract Extraction Among Men. JAMA Ophthalmololy, Online-Veröffentlichung vom 2.1.2014.
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